Singapore Kunst und Kultur

Letztes Update am 07. November 2018
Südostasien und die Megacity Singapore beflügelt in jeder Weise auch in Ausstellungen und der Singapore Biennale sowie in Kunst und Kultur.

Südostasien und die Megacity Singapore beflügelt in jeder Weise auch in Ausstellungen zur Kunst und Kultur sowie der Singapore Biennale und aber auch in der Literatur, die leider im deutschsprachigen Raum oftmals ebenso viel zu kurz kommt wie beispielsweise die Rolle von Singapore als Schnittstelle des Seehandels im 14. Jahrhundert.

Lesetipps

Mit Skorpionen als Kabinengefährten segelt Sophia Raffles Anfang des 19. Jahrhunderts hochschwanger von Bengulu nach Kalkutta. Sie begleitet ihren Mann, der im Auftrag der East India Company arbeitet, auf zahlreiche Expeditionen. Sie entdeckte das sagenhafte Reich der Minangkabu im Zentrum der Vulkankette Sumatras – wohin kein Europäer je einen Fuß gesetzt hatte. Doch sie blieb im Schatten des früh verstorbenen Gründers von Singapur – bis die Autorin in spannender Annäherung dieses Leben einer wagemutigen Frau ans Licht brachte.

Sophie Raffles

Lady Sophie war die zweite Frau von Sir Thomas Stamford Raffles, der im Auftrag der East India Company Anfang des 19. Jahrhunderts bei Singapur die englische Fahne hisste und damit den Briten den Handelsweg nach China sicherte. Lady Sophie begleitete ihn bei all seinen Unternehmungen. Als erste Europäerin überquerte sie tollkühn die Vulkanketten Sumatras und suchte im noch unentdeckten Zentrum nach dem sagenhaften Reich der Minangkabau, das sie tatsächlich fand und dokumentierte. Mit Tausendfüßlern und Skoprpionen als Kabinengefährten segelte sie hochschwanger von Bengkulu nach Kalkutta, bei der Gründung von Singapur war sie ihrem Mann unentbehrlich. Vier ihrer fünf Kinder fielen in Sumatra Krankheiten zum Opfer.

Raffles‘ früher Tod war für Sophie Anlass und Ansporn, die Machenschaften der East India Company aufzudecken und Sir Stamford mit ihrem Buch „Memoir of the Life and Public Services of Sir Thomas Stamford Raffles“ ein Denkmal zu setzen. Sie selbst blieb nicht nur zu Lebzeiten Ihres Mannes in seinem Schatten, ihr Leben nach seinem Tod ist verdunkelt von Geheimnissen, Rätseln und Halbwissen. Dank detektivischer Suchaktionen in Südostasien, England und dem europäischen Kontinent gelang es Susanne Knecht, dem abenteuerlichen, gefahrvollen und wunderbaren Leben der Sophia Raffles auf die Spur zu kommen und ihr den Ehrenplatz in der Geschichte zu sichern der ihr zusteht.

Susanne Kecht: Sophia Raffles auf Sumatra. Ein wagemutiges Leben. Kl. 8°. 282 S. mit 20 Abb. Pp. Piper Verlag. München August 2003. Buch bei Amazon.

Kulturgeschichte

Singapore als Schnittstelle im Seehandel im 14. Jahrhundert ist nur ein Beitrag in einem Band in dem die Herausgeber erstmals in deutscher Sprache einen Überblick zu aktuellen Themen der Archäologie und Geschichte von Südostasien vorstellen. Angkor, als einer der Magnete für Forschung und Tourismus, hat zahlreiche archäologische Stätten in Südostasien in den Hintergrund treten lassen, die der Bildband zur Archäologie in beeindruckender Weise ausgräbt.

Die einzelnen Beiträge widmen sich zum Beispiel den Felsenmalereien in Nusantara, dem Hochland von Sumatra, der Megalithkultur auf Nias, der Anlage des Borobudur und den Tempel in Ostjava. Aber auch die Tempel von Bagan swie die Vorgeschichte der Philippinen werden gewürdigt. Abgerundet werden die vorzüglich mit Karten und Bildern illustrierten Beiträge mit Exkursen zur Themen wie Keramik, Bronze und Silber aber auch traditioneller Salzherstellung. Ein rundum gelungener Band zur frühen Kulturgeschichte von Südostasien.

Tjoa-Bonatz, Mai Lin / Reinecke, Andreas (Hrsg.): Im Schatten von Angkor. Archäologie und Geschichte Südostasiens. 4°. Geb. 144 S. mit 155 farb. Abb. und 12 Kt., Bibliogr. Geb. Zabern, Darmstadt, 2015. Buch bei Amazon.

Zhen He 鄭和 / 郑和

Er ist der größte Seefahrer und Entdecker der asiatischen Geschichte, aber im Westen bislang kaum bekannt: Zheng He. Mit seiner gigantischen Flotte segelte er im 15. Jh. um die halbe Welt, von China über Indien nach Ostafrika – 100 Jahre bevor Kolumbus Amerika entdeckte. Der weltbekannte National-Geographic-Fotograf Michael Yamashita folgte Zheng Hes Reiseroute, der renommierte Historiker Gianni Guadalupi recherchierte das Leben des Helden. Das Ergebnis der Spurensuche: ein prächtiger Bildband mit sachkundigen Texten und originalen Auszügen aus den Schriften des Chronisten Zheng Hes, Ma Huan.

Auf dem Höhepunkt der Macht der Ming-Dynastie, unter dem ehrgeizigen Kaiser Zhu Di, befehligte Zheng He als kaiserlicher Admiral die weltweit größte Flotte der damaligen Zeit: Hunderte von Fracht-, Kriegs- und Versorgungsschiffen sowie mächtige Schatzschiffe, von denen eines zehnmal so groß wie Vasco da Gamas Flaggschiff war. Tausende von Seeleuten nahmen an den insgesamt sieben Expeditionen des Admirals teil, die sie zunächst bis Ceylon, später über den heutigen Iran bis an die afrikanische Ostküste nach Kenia führten.

Zheng He begegnete den Fremden als Entdecker, Geschäftsmann und Diplomat. Seine Schiffe hatten Tonnen chinesischer Seide, Keramik und Kupfermünzen geladen, die gegen exotische Gewürze, Edelsteine und Textilien getauscht wurden. Wo nötig, kämpfte der Admiral mit seinen Leuten gegen Seeräuber und griff in regionale Kriege ein. Dank seines diplomatischen Geschicks schuf er auf diese Weise ein ganzes Netz von Verbündeten, die dem chinesischen Kaiser Tribut darbrachten und dessen Macht rund um den Indischen Ozean festigten. Ein großartiger Bildband über eine bislang unbeachtete Ikone in der Geschichte der Seefahrt. Michael Yamashita und Gianni Guadalupi setzen Zheng He mit diesem Buch ein einzigartiges Denkmal.

Michael Yamashita: Die Drachenflotte des Admirals Zheng He. Kl. 4°. 450 S. ca. 300 Farbfotos. Lam. Pb. Frederking & Thaler, München September 2006. Buch bei Amazon.

Highlights vor Ort

Entdecken Sie die faszinierende Geschichte und Kultur des Chetti Melaka, einer frühen Gemeinschaft indischer Migranten mit einer eigenen einzigartigen Tradition, Sprache, Küche und Kleidung.

Chetti Melaka of the Straits
Wiederentdeckung der indischen Peranakan in Singapore

An der Kreuzung des Indischen Ozeans und des Fernen Ostens gelegen, war das Malaiische Archipel seit jeher eine Region des kulturellen Zusammenflusses und der Vielfalt. Die Region erlebte den Zustrom von Migranten, die ihre einzigartigen soziokulturellen Merkmale mitbrachten, die von Sprache über Religion und Mode bis hin zur Küche reichen. Im Laufe der Zeit passten sich diese an das multikulturelle Umfeld der lokalen Gesellschaft an und führten zu polyglotten Umgebungen.

Die Chetti Melaka (oder Chitty Melaka) sind Nachkommen tamilischer Händler, die sich unter der Herrschaft des Melaka-Sultanats (15. bis 16. Jahrhundert) in Malakka (heute Melaka) niederließen und Einheimische malaiischer und chinesischer Abstammung heirateten. Vorwiegend Hindu der Saiviten, Anhänger von Shiva, spricht die Gemeinde eine einzigartige Kombination aus Malaiisch, Tamilisch und Chinesisch, die auch als als Chetti Creole bezeichnet wird. Es wird geschätzt, dass heute in Singapore 5.000 Chettis leben.

Das Indian Heritage Center zeigt in Zusammenarbeit mit der Association of Peranakan Indians (Chitty Melaka) deren faszinierende Geschichte, feiert die Kultur und das Erbe des Chetti Melaka und bietet einen seltenen Blick in diese weniger bekannte Gemeinschaft und ihre Lebensweise. Ein Großteil der 175 Objekte sind Leihgaben von Mitgliedern der Gemeinschaft und waren noch nie vorher öffentlich ausgestellt. Sie geben Besuchern einen Einblick in den Alltag mittels Fotografien, Dokumenten, Kleidung, Schmuck, Kochutensilien u.v.m. Ergänzt werden die historischen Artefakte durch einen eigens in Auftrag gegebenen Film, eine Dokumentation über jugendliche Chetti Melaka, die sich auf eine Reise begeben, um ihre Wurzeln neu zu entdecken

Ausstellung bis 05. Mai 2019 im Indian Heritage Centre Singapore, 5 Campbell Lane, Singapore 209924. U-Bahn Little India Ausgang E: www.indianheritage.org.sg ↵. Dienstag bis Donnerstag 10:00 bis 19:00 Uhr, Freitag bis Samstag 10:00 bis 20:00 Uhr, Sonntag 10:00 bis 16:00 Uhr. Eintritt 6S$.

Ausstellungstipps

Im alten China kam Farben eine überaus wichtige Symbolfunktion zu. Einzelne Farben wurden beispielsweise Elementen, Energien, kosmischen Zyklen und Dynastien zugeordnet. In der Keramikkunst beeinflusste dies sowohl Glasuren als auch Schmelzfarbendekore.

Chinesische Farbwelten

Aus dem eigenen Bestand des Hetjens Museums als auch aus bedeutenden deutschen Privatsammlungen werden Stücke aus fünf Kaiserdynastien und verschiedenen regionalen Produktionszentren vorgestellt. Davon besitzen viele einen derart hohen Grad an technischer Perfektion und modern wirkender, puristischer Ästhetik, dass kaum zu glauben vermag, dass es sich hierbei um jahrhundertealte Handwerkskunst handelt. Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind Porzellane der Ming- und Qing-Dynastien, die am kaiserlichen Hof für Staatsrituale und Bankette verwendet wurden. Temporär wird die Ausstellung «Alle Farben Chinas Glasurenvielfalt aus über 1.000 Jahren» vom Museum in seine neu konzipierte Dauerausstellung integriert, die langfristig durch Leihgaben der Stiftung Hauk ergänzt wird.

Ausstellung bis 31. März 2019 im Hetjens Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, 40213 Düsseldorf: www.duesseldorf.de/hetjens ↵. Dienstag bis Sonntag 11:00 bis 17:00 Uhr, Mittwoch 11:00 bis 21:00 Uhr.

Chinesische Keramik

Sei jeher kommt Jade in China ein ganz besondere Bedeutung zu und gilt als kostbarer als Silber oder Gold, gilt ihre Farbe und Glanz als Symbol für ein langes Leben und Unsterblichkeit. So wundert es auch nicht weiter, dass die hohe Wertschätzung sich in China in jadefarbenen Keramikglasuren niederschlägt. Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zeigt eine Auswahl sogenannter Seladon Keramiken in seinem Forum Meet Asian Art.  Mit Objekten aus zweieinhalb Jahrtausenden führt die Kabinettausstellung die Kunstfertigkeit chinesischer Töpfer vor Augen, die Zurückhaltung in der Farbigkeit lenkt umso mehr die Aufmerksamkeit auf Form und Oberfläche. Ausgehend von China hat die Art und Weise der Ausführung der Keramiken in vielen Regionen in Ostasien, unter anderem in Korea und Japan, große Beliebtheit erlangt, doch in keinem Land derart perfektioniert wie in China.

Ausstellung bis 13. Januar 2019 im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main: www.museumangewandtekunst.de ↵. Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr, Mittwoch 10:00 bis 20:00 Uhr.

Wie Chinesen ihre Liebe ins Jenseits senden

Ts’ai Lun (Cai Lun bzw. 蔡倫), Beamter am chinesischen Kaiserhof, dokumentierte bereits um 105 n. Chr. die Papierherstellung und gilt als dessen Erfinder. Papier spielt auch heute noch eine bedeutende Rolle bei der Verehrung der Ahnen in China.

Die Ausstellung «Kleidung, Smartphone und Bananen aus Papier. Wie die Chinesen ihre Liebe ins Jenseits senden» beleuchtet einen besonderen Aspekt der Ahnenverehrung der chinesischen Community anhand papierener Opfergaben, überwiegend aus dem Osten der Volksrepublik China, aus dem Jahr 2016. Alltagsgegenstände werden aus Papier als Miniaturen nachgebildet, verbrannt und finden so den Weg in die Welt der Ahnen. Jenseits und Diesseits gelten als Spiegelbild ihrer selbst. Hinterbliebene bieten auf diesem Weg ihren Ahnen, aber auch Göttern und Geistern, die großen Einfluss auf das eigene Schicksal haben, Annehmlichkeiten und erfüllen ihnen ihre Wünsche. Lebensweise und persönliche Vorlieben der Verstorbenen sind hierbei maßgeblich. Dabei kann es sich auch um Lieblingsgericht oder -getränk ebenso handeln wie um Kleidung aber eben auch um in Papierform nachgebildete Alltagsgegenstände sowie um Imitationen von Zahlungsmittel wie Geldbündel die Dollarnoten ähneln. Nicht nur in China wird heute der Versuch unternommen diesen Brauch zum Beispiel durch Anlage von Verbrennungsöfen an den Friedhöfen in geordnete Bahnen zu lenken und so wirft die Ausstellung auch einen Blick auf das Neben- und Miteinander von jahrhundertealten Traditionen und modernen Megacities in China.

Ausstellung bis 22. Dezember 2017 in der Papiermühle Alte Dombach bei Bergisch Gladbach (industriemuseum.lvr.de ↵). Geöffnet Dienstag bis Freitag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11.00 bis 18.00 Uhr. Zum Thema passende Spaziergänge in Singapore «Good Morning, Ni Hao Singapore!» und Themenausflüge «The Passage of Life, Geburt, Heirat und Tod!» bieten wir hier.

Indonesien Kunst und Kultur vom Inselreich

Das Museum der Völker in Schwaz bei Innsbruck zeigte mit einer neuen Sonderausstellung zahlreiche meisterhafte Arbeiten einer Wiener Privatsammlung. Ritualobjekte, Architektur, Textilien, Masken und Ahnenfiguren sowie kunstvolle Behälter und Schnitzereien luden von Dezember 2016 bis Ende April 2017 zum Staunen ein. Objekte der Dajak, der Sumba, der Kalimatan oder der Batak sind nur einige davon. Bali, dessen Kunst sich von Hinduismus herleitet, hat andere Riten und Objekte hervorgebracht wie beispielsweise Masken und Kostüme des Legong. Viele der nun gezeigten Objekte sind schon vor Jahrzehnten nach Europa gelangt und zählen heute zu den vielbeachteten Raritäten.

Buddha Sammler öffnen ihre Schatzkammern

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte zeigte 232 Meisterwerke buddhistischer Kunst aus 2.000 Jahren: Besucher erhielten einen einzigartigen Überblick über die buddhistische Kunst in Asien vom 1. Jahrhundert vor Christus bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Exponate, zum Teil bisher noch nie öffentlich ausgestellt, waren in vier Ausstellungsabteilungen gegliedert: Südasien, Ostasien, Südostasien und die Region des Himalaja. Die Ausstellung gilt bereits jetzt schon als eine der bedeutendste panasiatische Buddhismus-Ausstellungen, die weltweit jemals gezeigt wurde und wurde von einem umfangreichen Begleitprogramm bis März 2017 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur, flankiert.

Katalogbuch zur Ausstellung herausgegeben von Meinrad Maria Grewenig und Eberhard Rist Buddha: Sammler öffnen ihre Schatzkammern. 232 Meisterwerke buddhistischer Kunst aus 2000 Jahren. Der Katalog diskutiert im Rahmen der wissenschaftlichen Aufsätze und Objektbeschreibungen ausführlich die gezeigten Kunstwerke und die Weltanschauung des Buddhismus. 528 S., zahlr. z.T. ganzs. Abbildungen. Geb. Katalog bei Amazon. Im Rahmen des Jahresthemas Buddha im Weltkulturerbe Völklinger Hütte präsentiert der Band Buddhismus. Fotografien 1985 – 2013 eindrucksvolle Fotos des Künstlers Steve McCurry aus dem Zeitraum von 1985 bis 2013. 96 S., zahlr, Abbildungen. OBrosch. Buch bei Amazon.

Museumstipps

Die Auswahl an Museen in Singapore nimmt jedes Jahr, wie auch die Besucherzahlen, deutlich zu. In Singapore fokussiert sich jedes Museum meist auf ein Thema – von Kunst und Kultur bis Wissenschaft und Gesundheit. Und nicht nur die Vielfalt, sondern auch und gerade die Qualität der Museen ist einmalig.

Besonders häufig wurden laut einer Studie des National Heritage Boards und des Singapore Tourism Board die nationalen Museen besucht, die viel über die Geschichte und Kultur des Landes zeigen. Beispielsweise war 2008 das Iconic National Museum das Beliebteste, gefolgt von der National Library Gallery, dem Asian Civilisation Museum, dem Images of Singapore und dem Singapore Art Museum. Viele der Museen zeigen nicht nur die Kultur von Singapore, sondern auch verschiedene Kulturen aus ganz Asien. Zusätzlich veranstaltet das National Heritage Board jedes Jahr spezielle Asien-Events in den Museen von Singapore.